Erziehungskampf mit einem Kleinkind, wenn das Kind haut!

Die Stimmung ist seit Tagen auf dem Tiefpunkt bei uns Eltern. Unser Kind haut, schreit laut in der Gegend umher und beißt uns Erwachsene. Wir kommen einfach nicht mehr an ihn heran.

So haben wir uns vor knapp einem halben Jahr unterhalten. Was hat man uns geraten?

Gewalt bei Kindern

Die Tipps der Außenstehenden waren geradezu identisch: „Hart müsst ihr bleiben. Durchgreifen müsst ihr. Zeigen, wer das Sagen hat.Mir kommen diese Sätze beinah vor wie beim Militär. SO würde ich selbst nicht gerne leben und das Schöne? Ich musste es auch nie. Meine Eltern waren unorganisiert. Wir hatten unsere Probleme. Es gab Streit, aber! und das ist für mich als Kind das aller Schönste gewesen – sie waren so herrlich authentisch. Das, was sie empfunden haben, offenbarten sie mir mit ihrem Verhalten. Der Streit ist immer in Ordnung gewesen und so Leid es ihnen tat habe ich auch einen Klaps habe gut weggesteckt.

Authentisch Erziehen

Wie bitte? Wie ist es dazu nur gekommen? Es ist ein Tag gewesen, an dem ich meine Mama an den Rand der Verzweiflung getrieben habe. Ich bin nach der Schule einfach verschwunden. Sie fand mich nicht. Wo ich war? Am Brunnen, etwas abseits von der Schule. Als ich mit zwei Stunden Verspätung nach Hause kam, begegnete mir nur noch eine zu Tränen aufgebrachte Frau, die mich wütend am Arm hereinzog und einen kleinen Klaps gab. In dem Moment dachte ich, spinnt die? Heute weiß ich genau, was sie empfunden haben muss und es tut mir wahnsinnig leid.

Ein Klaps hat noch nie geschadet? Ich habe diesen als Kind nur unbeschadet überlebt und lache heute mit meiner Mama drüber, weil er aus einer absoluten Überforderung, aus Angst und Sorge heraus passiert ist. UND WEIL, wir uns alle erschrocken haben. An erster Stelle meine Mama. Ich hatte nie Angst vor ihr und es tat ihr am Abend so leid, dass sie sich vor Schuld zerfraß. Sie hat ihr Verhalten dahingegen angepasst, dass dies nie wieder passiert. Meine Mutter ist außer sich gewesen, aber ich hab es verstanden.

Mein Kind haut, beißt und schreit

Was hat das mit dem hauen, beißen und körperlichen Äußerungen meines Kindes zu tun? Im ersten Ansatz reagiere ich sehr emotional. Ich wünsche mir, dass es aufhört. Geschieht dies nicht?

Im zweiten Schritt, wenn das unerwünschte Verhalten öfter vorkommt, greife ich zu diktatorischen Maßnahmen. Das Kind wird auf den heißen Stuhl gesetzt, auf die stille Treppe verfrachtet und von der Außenwelt abgeschottet, denn es hat sich falsch verhalten.

Hat es das?

Klassische Problemsituationen im Alltag sind, dass das Kind das Geschwisterchen haut. Gewalt gegenüber den Eltern zeigt oder xy beißt. All diese Gefühlsäußerungen haben eins gemeinsam: sie sind die Sprache des Kleinkindes. Es möchte uns etwas damit sagen.

Im Umkehrschluss frage ich mich, kann es dies, wenn wir es in die Isolation befördern?

Nein, oder?  Die Isolation ist also rein logisch keine Lösung. Es sei denn, wir wollen einfach nur das Verhalten unterbinden und das Kind in seinem Gefühl brechen, denn am Ende des Weges sind wir nicht schlauer. Wir kennen immer noch keine Antwort auf eigentliche Frage: „Warum macht mein Kind dies?“

Diese Ungewissheit, wie es meinem Kind geht und Gewissheit, dass ich mir meinen Willen erzwungen haben, würde mich kaputtmachen. Ich habe damals auf Anraten von Superpädagogen, solche Maßnahmen ergriffen. „Sie müssen dem Kind zeigen, wer der Boss zuhause ist.“

Menschenskinder mal ehrlich? Was denken wir eigentlich, wer diese kleinen Kinder sind? Meinen wir wirklich in ihnen schlummern Tyrannen, die nur darauf Warten losgelassen zu werden, wenn wir die Führung aus den Zügeln lassen, um uns zu vernichten? Ihre Eltern bei denen sie wissen, dass sie auf sie angewiesen sind. Liegt im Kind nicht viel mehr der Wille verankert, dass es kooperieren möchte, um gut versorgt zu werden? Wir sind auf unser Überleben fixiert. Wie gelingt dies am besten? Durch Kooperation. Also? Es macht Sinn von dem guten Kind auszugehen.

Ich habe, für mich die Erfahrung gemacht, dass mein ins Zimmer schicken alle Familienmitglieder nur belastet hat. Am Ende wurde gar nichts besser. Was habe ich in nicht aushaltbaren Situationen gemacht? Heute trenne ich die beiden Kinder, um die Situation zu entschärfen, bleibe aber bei dem Kind, das nicht mit seinen Gefühlen alleine zurechtkommt. Ich lasse das Kind, welches mit seinen Gefühle kämpft nicht alleine.

Ich nehme es aus der Situation raus, bis es sich beruhigt. Wenn ich richtig gut drauf bin, spiegel ich es sogar: „Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist, denn du schreist sehr laut.“ „Ich habe das Gefühl, dass du traurig bist, weil du weinst.“ Instinktiv bin ich dafür schon immer der Typ gewesen. Inhaltlich habe ich mich mit der Hilfe von Nora Imlau und ihrem Buch (Empfehlungslink) extrem weiterentwickelt. Oft sitzen wir aber auch nur da und warten, bis der Gefühlssturm vorbei ist. Manchmal reden wir. Manchmal nicht.

Sprache des Kindes

Negative Gefühlsäußerungen von Kindern sind eine Sprache, die wir Eltern lernen müssen zu verstehen. Es ist ein „HEY, nun SCHAU MICH DOCH MAL AN“ … „ICH BIN JETZT DRAN“ „ICH WILL GESEHEN WERDEN“

Verstehen zu lernen, welches Gefühl hinter dem Verhalten des Kindes steckt: Eifersucht, Wut, Traurigkeit, Verlustängste etc.pp ist wohl die größte Herausforderung, die es für uns Eltern im Alltag zu bewerkstelligen gibt. Kinder kennen keine Worte für ihre Empfindungen. Wir wünschen es uns, aber es ist unsere Aufgabe ihnen diese beizubringen. Sie zu lehren, was Traurigkeit ist, was Eifersucht ist, wie sich Wut anfühlt oder Einsamkeit.

Ist es da nicht einfacher an den Tyrann im Kind zu glauben? Sicher. Ich habe für diesen anderen Weg mit meinem Kind ein gutes halbes Jahr gebraucht. Keine drei Wochen. Am Ende sind diese Tipps oben nicht alles, was ich als Mama eines Kindes, das mir etwas zu sagen hatte, in meiner Erziehung umgestellt habe. Dazu aber bald mehr im zweiten Teil von meinem Erziehungskampf mit ….? Ja mit wem habe ich eigentlich gekämpft? Mit mir oder mit meinem Kind?

 

 

Wisst ihr es?

 

 

 

Alina

Ich bin 29 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

1 Comment
  1. Mit dir wahrscheinlich?! :-D
    Natürlich sind solche Verhaltensweisen mega anstrengend und sehr überfordernd, aber „Zeig ihm wer der Boss ist?“ – Oh mein Gott, das ist wirklich ein grauenvoller Ratschlag…

    Erziehung sollte kein Kampf werden. Letztlich muss man auch solche Phasen „überstehen“, aber das Kind ist immer das Kind. Es kennt die Welt nicht, es darf auch Fehler machen und sich falsch verhalten. Aber ICH bin die Erwachsene. Ich weiß also, dass Gewalt scheiße ist und ich weiß, dass es weh tut, wenn jemand „der Boss“ ist und man nichts zu sagen hat. Man übersteht solche Phasen auch anders. Vor allem mit viiiiiiel Geduld :-D

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