Es ist früh morgens. Wir stehen alle gemeinsam auf, denn Mama liegt so lange in den Federn, wie es nur geht. So richtig Lust habe ich nicht auf meinen Alltag. Wieso? Das ist ziemlich leicht zu erklären: er stresst mich. Die Anforderungen meiner Kinder stressen mich. Unerfüllte Bedürfnisse aller Familienmitglieder stressen mich. Ich habe schlichtweg das Gefühl wir alle bleiben auf der Strecke. Dabei? Tue ich doch schon alles, um jeden von uns zufrieden zu stellen. Ich versuche den Kindern jeden Wunsch zu erfüllen. Versuche vieles mit ihnen zu unternehmen und meinen Partner so wie es eben geht zu entlasten. Ich arbeite von zu Hause, um uns einen entspannten Alltag zu verschaffen, aber ich muss arbeiten. Wir brauchen zwei Gehälter. So teile ich mich in vier. Bringe die Kinder morgens weg. Räume auf. Mache und tue und Mittags bin ich die beste Animateurin, die ich nur sein kann für meine Kinder.

Abends versuche ich noch eine gute Partnerin und Freundin zu sein. Und ab und zu überkommt mich in meinem Alltag die stille Sehnsucht nach mir selbst. Kürzlich führte ich ein wirklich interessantes Gespräch. Es ging un meine Anforderungen an mich selbst als Mutter. Wenn der Tag mit den Kindern vorbei ist, bin ich wirklich ziemlich oft froh darüber, dass sie nun hoffentlich schlafen. Leider geschieht es immer häufiger, dass sie noch sehr viele Wünsche an uns Eltern stellen.

Immer öfter überkommt mich das Gefühl der Kraftlosigkeit, wie ein Hammer, der schnurstraks auf mich zurast ohne dass ich ihn stoppen könnte. Alles versuche ich in meinem Alltag mit Kind richtig zu machen. Lese mir viele Ratgeber durch, um mich in jeder Krisensituation richtig zu verhalten. Ich spreche auf Augenhöhe. Reflektiere und verfolge eine gute Konfliktlösungsstrategie. Also? Was läuft nur falsch bei mir?

 

Ich gebe mir doch so viel Mühe?

Sobald die Kinder im Bett sind. Wirklich schlafen. Begebe ich mich an den Haushalt. Eine unaufgeräumte Küche, liegengebliebenes Spielzeug kann ich einfach nicht ertragen. Am Abend muss es schön sein. Ich verbringe also die letzten Stunden meines Tages damit die Spuren des Alltags zu beseitigen. Bin ich damit fertig lege ich mich meist noch etwas auf die Couch und schaue einen Film. Die Konsequenz? Es wird meistens sehr spät. Natürlich muss ich lange schlafen, um fit zu sein.

Also? Was läuft nur falsch? Erstens: ich bin keine Pädagogin. Ich bin einfach nur Mutter und Mensch. Mehr nicht. Wer stellt nur die Erwartung an mich, alles richtig zu machen? Ich selbst. Dabei brauchen Kinder Eltern, die Fehler machen. Eltern von denen sie sich abschauen können, wie man für sich sorgt. Ein Stopp jetzt erstmal ich hilft ihnen vielleicht weiter als ein immerzu perfekter Alltag an dem Mama sich so auslaugt, dass sie abends beinah ihren Namen nicht mehr kennt.

Das was also falsch läuft ist ganz einfach: meinen Drang alles richtig zu machen viel zu viel Raum zu schenken. Eine unaufgeräumte Küche ist nicht schön. Sicherlich nicht, aber am Ende eines vollen Tages vielleicht nur menschlich? Ein Moment Pause ist für die Kinder vielleicht keine Absage an ihre Wünsche, sondern nur ein vorbildliches Verhalten ihrer Mutter sich selbst gegenüber.

 

Mutterinstinkt vs. Fachwissen

Wieso habe ich freiweillig meinen Mutterinstinkt gegen Fachwissen ausgetauscht? Das ist mir immer noch ein Rätzel, denn das, was sich gut anfühlt, kann doch gar nicht verkehrt sein, wenn es allen Familienmitgliedern gut damit geht. So entsteht doch glücklich sein. Nicht durch ein immerzu perfektes Verhalten. Wer ist schon immer perfekt? Und was lernen wir durch Perfektion? Das richtige Verhalten oder geben wir womöglich nur den eigenen Druck an unsere Kinder weiter, dass diese sich gefälligst auch immerzu perfekt Verhalten zu haben, wenn Mama schon immer so perfekt ist?

Schluss damit. Ich habe da keine Lust mehr drauf. Ich will ein ganz einfaches Familienleben mit Höhen und Tiefen und viel mehr Leichtigkeit. Entscheidungen fällen aus dem Bauch heraus und nicht mehr abwägen, was nun die richtige Entscheidung ist. Das kostet mich zu viel Kraft und noch viel schlimmer – es überfordert meine Kinder.

Kennt ihr diese Gefühle von denen ich spreche oder lebt ihr schon immer mehr nachdem Motto: wird schon alles gut gehen?

 

 

 

Alles Liebe, Alina

Alina

Ich bin 30 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

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