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das perfekte Familienleben vom Schein und Sein der Anderen
Familie

Vom Schein und Sein der Anderen

Das Realität des wirklichen Familienlebens und der Schein und das Sein von Familie im Internet sind zwei verschieden paar Schuhe. Das habe ich in den letzten Jahren als Mama lernen müssen. Im Internet herrscht viel Missgunst und Profilierung durch die Schwächen der Anderen, obwohl man selbst nicht wirklich anders ist. Gesagt ist meist leichter, als tatsächlich auch gelebt.

Wie ticken Familien wirklich?

So richtig bewusst geworden ist mir dies, als ich zum Marketinggespräch eines großen Unternehmens eingeladen wurde, die Babybreie in ihr Sortiment aufnehmen wollten und meine Meinung dazu erbeten haben. Es gab allerhand verschiedene Sorten. Nur eine, die gab es nicht: Natur. Ich fragte verdutzt nach, wieso und die eindeutige Antwort öffnete mir zum ersten Mal die Augen: „Weil es sich nicht verkauft.“ Es kauft keiner. Jetzt werden wohl viele aufschreien und sagen: „Doch, doch … Ich kaufe es.“ Und so ist auch meine Antwort gewesen. „Ich kaufe es.“ Aber am Ende vom Tag ist das wohl nicht die Mehrheit von uns Eltern, denn wäre es so, würde ein am Gewinn orientiertes Unternehmen ganz klar diesen Brei auf den Markt bringen. Mag sein, dass es hart klingt, aber es zeigt nur ganz schonungslos auf, was die Mehrheit von uns Eltern wirklich kauft. Das ist okay. Irgendwie zumindest. Worum es mir aber bei dieser Erkenntnis wirklich geht ist das sich das Gefühl gegenüber uns Müttern verändern sollte, finde ich.

Wie wir untereinander sein sollten

Wir sollten viel mehr rechts und links sein lassen und uns im Familienalltag auf uns konzentrieren. Auf das, was wir wollen und den gut gemeinten Ratschläge: „Besser wäre es, wenn du … Einfach viel mehr bei uns selbst anwenden, als andere in ihrem Mamaleben zu beurteilen. Vielleicht wird dann am Ende auch weniger Keksbrei gekauft, wenn wir mal Anfangen bei uns unsere eigenen Prinzipien anzuwenden. Ich bin mir sicher das Wissen ist oft da, aber den Kindern schmeckt halt der Brei mit Zucker viel besser, als der ohne und wir wollen doch mal von der Milch wegkommen. Durchschlafen soll es auch endlich mal das Baby. Also? Werfen wir die eigenen Prinzipien still und heimlich über Bord und kaufen den Keks. Aber wehe wir sehen jemand anderen mit diesem Brei, denn eigentlich kauft ja jeder nur Natur oder macht gleich alles selbst, weil es das Beste für die Kinder ist.

Phänomen perfekte Familie

Auf Instagram fällt mir dieses Phänomen immer besonders extrem auf. Was dort für Kinder im Alltag gekocht, getan, gemacht, gebastelt und für das Leben mit Kindern gezaubert wird – wow. Meinen größten Respekt. Da kann sich schon mal ein schlechtes Gewissen bei einem einschleichen, oder?

Die traurige Realität

Die Realität sieht nur leider so gar nicht danach aus, als ob das dort gezeigte Familienleben der anderen etwas mit unserer Realität zu tun hat, denn Fakten besagen zum Beispiel, dass viel zu viele Kinder mittags kein warmes, ordentliches Essen bekommen. Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt rapide an. Viele Kindergärten beklagen sich darüber, dass Kinder hungrig mit leeren Mägen in die Kita gebracht werden oder gar extrem krank. Wasser sollte das Getränk für Kinder sein. Alle anderen leckeren Getränke als besondere Ausnahmen und doch bekommt Kariesprophylaxe einen immer höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft, da schon die Kleinsten mit einem schlechten Gebiss zum Zahnarzt müssen, weil sie mit Limo ihren Durst löschen, Kakao zum Einschlafen trinken oder gar ihre süßen Verführungen durch eine Trinkflasche zu sich nehmen, statt durch ein Glas. Trinkflaschen schön und gut. Mit Wasser okay, aber muss es die Apfelschorle, Limo oder etwas anderes mit drei Jahren immer noch durch die Trinkflasche sein?

Um dies um mich herum als traurige Realität anzuerkennen, brauche ich keine Statistik, sondern lediglich ein offenes Auge in meinem Alltag und es liegt mir fern Menschen, Mütter, Familien oder irgendwen deswegen zu verurteilen. Es gibt Dinge, da müssen Familien am Ende selbst durch mit den damit verbundenen Konsequenzen. Es gibt Situationen, die finde ich persönlich traurig oder gar bedrückend. Meist nehme ich dies in der Kommunikation anderer Eltern mit ihren Kindern für mich wahr. Zum Beispiel, wenn Eltern mit ihren Kindern a la: „Wie blöd bist du eigentlich. Mach den Mund zu. Du Nervensäge. Hast du dir eigentlich zugehört, wenn du sprichst. Hörst du schlecht? Geh dir die Ohren waschen.“ Oder.. oder.. oder.. sprechen. Kein Einzelfall, wenn ich unterwegs bin. Meistens ist es sogar im Spaß gesagt und doch finde ich, persönlich hat diese Art der Kommunitkation mit Kindern etwas bedrückendes. Doch auch in diesem Beispiel muss jeder selbst für sich entscheiden wie er mit sich und seinen Lieben umgehen möchte.

Für die Kommunikation mit Kindern, die mich teilweise echt erstaunt oder zusammenzucken lässt, gibt es unzählige Beispiele. Und das ist alles irgendwie Okay, aber wisst ihr, was mich stört? Dass so viele von uns sich so viel Druck machen für ein perfektes Familienleben und wir übereinander urteilen, statt uns gegenseitig den Rücken zu stärken. Manchmal fängt ein negativer Gedanke über eine andere Mutter oder Vater schon mit einem eigentlich unwichtigen Gedanken an. Vielleicht ist es oft auch nur ein kleines Zusammenzucken, wenn man nur hört: Die hatte einen Kaiserschnitt, echt? Oder, die gibt ihren Kindern Medikamente? Echt – jetzt?

Bei mir spielt die Musik

Wir sollten bei uns bleiben, und wenn dann rechts und links wirklich liebevoll stützen oder einfach vorleben, inspirieren mit seinem eigenen Weg. Alles andere ist doch nur ein dämlicher Kampf, der am Ende alle unzufrieden macht.

Ich selbst habe mir und meinen Kindern echt viel Druck gemacht mit Kleinigkeiten und genau dieser hat mich wahnsinnig gehemmt in unserem Familienalltag. Es ging uns allen nicht gut, weil ich das Gefühl in die Familie getragen habe – nicht gut genug zu sein, als Mutter.

Bin ich gut genug als Mutter?

Irgendwann habe ich angefangen diesen Gedanken zu hinterfragen: Bist du wirklich nicht gut genug? Woran machst du das fest, dass du nicht gut genug bist? Denken deine Kinder, dass du nicht gut genug wärst? Wie geht es den Kindern mit deinen Gedanken? Denkst du vielleicht, dass andere nicht gut genug sind, und beziehst das viel zu viel auf dich selbst? Und wer wärest du ohne diesen Gedanken? (Ansätze aus the Work von Katie Byron)

Am Ende kam ich zu einem Umkehrschluss. Ich bin gut genug. Dieser Gedanke tut uns zum ersten Mal allen richtig gut. Er lebt sich nicht nur für mich gut, sondern stärkt nachhaltig meine Kinder.

Nachdem ich mich wirklich hinterfragt habe und mich auf meine eigenen Werte besonnen habe, wurde mir klar, was mir wichtig ist für meine Kinder. Wer ich als Mutter sein will und wo ich hin will. Gleichzeitig konnte ich mit diesem Wissen die falsche Realität über das Muttersein hinter mir lassen. Ich konnte mich von diesem Zeitpunkt an auf mich konzentrieren. Habe das nach rechts und links schauen aufgehört und nehme die Ansätze der anderen eher als Inspiration wahr. Merke ich, dass diese mir keinen Stress machen – super. Spüre ich allerdings, dass sich das nur schwer in unser Familienleben integrieren lässt, realisiere ich das es nicht zu uns passt. Wir sind nicht schlechter deswegen. Es passt nur einfach nicht zu uns, weil wir vielleicht dafür etwas anderes haben. So ist jeder für sich individuell und kann vom anderen lernen oder für sich bleiben. Ist das nicht ein herrlich befreiender Gedanke?

Bitte kein Druck mehr

Und warum dieser Beitrag? Weil ich diesen Druck in uns Eltern so furchtbar finde. Loszulassen würde uns allen gut tun. Natürlich gibt es Verhalten anderer Eltern gegenüber Kindern, was schlimm und kaum vertretbar ist, aber erreicht man wirklich durch ein hartes Urteil eine Änderund in der Sichtweise?

Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass viele von uns gesehene, wahrgenommene Situationen oft nur Momentaufnahmen sind. Falsche oft dazu.

Wer ist schon perfekt? Wir sollten nicht versuchen perfekt zu sein oder so zu sein, wie die Mutter, die wir so beneiden. Vielleicht ist es nicht unser Lebensstil. Es geht doch darum glücklich zu sein mit unseren Kindern und das sind wir am Ende nur dann, wenn wir gerne so sind, wie wir sind.

Wer weiß schon, was hinter den Wänden der anderen Familien wirklich passiert. Am Ende zählt nur unser Leben. Das können wir selbst gestalten.

Ich bin 30 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

3 Comments

  • Dresden Mutti

    Gerade wenn man viel im Internet unterwegs ist – insbesondere auf Instagram, aber auch grundsätzlich in Blogs und Sozialen Medien, muss man sich immer wieder daran erinnern: Das sind nur Fotos. Jeder kann schöne Fotos zusammenstellen – das ist nicht schwer. Und es zeigt nur gestellten Moment im Familienleben. Deswegen finde ich toll, dass du dich zum Beispiel „der ehrliche Familienblog“ nennst. Ehrlichkeit und Authentizität sind unglaublich wichtig. Manche Menschen unterschätzen ihre „Macht“, wenn sie alles immer nur wunderschön darstellen und die Kehrseite nie zeigen.

  • Stefanie Noel

    Ein sehr schöner Beitrag! Vielen lieben Dank dafür Alina!
    Ich bin mittlerweile 41 Jahre und merke immer mehr, wie zufrieden und glücklich ich bin! Mit den Jahren hat sich das immer mehr verfestigt! Auch ich habe früher schnell über andere geurteilt und mich dabei ertappt! Je mehr man die anderen Menschen so sein lässt, wie sie sind und mit sich und seinem Leben im Reinen ist, desto glücklicher wird man! Es ist aber ein Lern-und Reifeprozess und für mich macht genau das, das Leben aus!

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