Verloren

Ich bin auf der Suche nach mir oder wie soll ich dieses Gefühl am besten benennen? Die letzten Wochen und Monate bin ich mit der Rettung meiner Beziehung beschäftigt gewesen. Fokussiert auf das Wohl meiner Kinder. Meine Figur war mir wichtig. Abnehmen. Und plötzlich schließe ich die Augen. Frage mich „was fühlst du?“ Stelle fest das da nicht mehr viel ist. Ich habe mich verloren in all der Hektik. In meiner Rolle als Mama mich selbst vergessen. Aufgegeben. Bin ständig ziellos durch die Gegend gehetzt, um irgendwann einmal stehenzubleiben und festzustellen, dass ich kein Ziel mehr habe. Nicht mehr bin. Nur noch funktioniere.

 

Ich habe mich irgendwo verloren

Dabei bin ich mit meinem Leben nicht unglücklich. Nicht verzweifelt. Traurig? Ich habe meinen Sinn verloren. Ich bin froh an diesem Punkt in meinem Leben angekommen zu sein. Nun kann ich mein Leben ändern. Erst wenn wir uns darüber bewusst werden, was wir wirklich fühlen. Wo wir stehen sind wir in der Lage dazu uns an unser neues Leben anzupassen. Ist es die Ruhe meiner Gegenwart, die mich in diese Situation gebracht hat? Das glücklich sein? Oder ist es ganz gleich, was mich irgendwann einmal hierher gebracht hat, um endlich verstehen lernen zu dürfen, dass es das hier und jetzt ist, was wirklich zählt? Der Moment. Dieser eine Augenblick meines Lebens.

Als ich zum ersten Mal dachte, dass ich mir jetzt einen Moment Ruhe gönnen möchte. Mich auf einen Stuhl saß. Die Augen zumachte. Kippte ich beinah runter, weil mir so schwindelig wurde. Zu viel im Kopf. Eine endlos lange To-do Liste jagte in meinem Kopf rauf und runter. Mein Leben drohte eine nicht mehr enden wollende Liste zu werden. Eine Liste voller Dinge, die mich nicht reicher, nicht glücklicher, nicht weiterbrachte. All jene Aufgaben dienten nur einem Zweck – dem Abarbeiten der Zukunft. Dabei bin ich nicht später. Ich bin jetzt. Hier bin ich. Sitze vor meinem Bildschirm. Schreibe persönliche Worte in meinen geliebten Blog, um sie nie wieder zu vergessen.

 

STOPP: Mein Augenblick

Meine Worte berühren mich, denn zum ersten Mal seit Wochen bin ich wieder bei mir. Hier im Augenblick anwesend. Nehme wahr, dass ich während ich schreibe, atme. Dieser Augenblick meines Lebens gehört wieder mir. Mir ganz allein. In den letzten Wochen habe ich viel über mich selbst nachgedacht. Über diesen Menschen der ich gerne wäre. Ich bin zu einem Entschluss gekommen: Ich wäre gerne glücklich. Mehr möchte ich gar nicht. So wenig und doch so viel, nicht wahr? Aber ich weiß wie ich glücklich bin. Ich möchte wandern. Das Meer einmal im Jahr zwischen meinen Zehen spüren. Salzwasser auf meinen Lippen schmecken. Die Natur erleben. Mit meinem Umfeld im reinen Sein. Mit Freunden bei einem guten Glas Wein plaudern. Ich brauche keinen großen Reichtum. Kein perfektes Leben, das mit so etwas Kostbaren wie Zeit und Freunden doch schon irgendwie ziemlich perfekt wäre. Ich möchte in meiner eigenen kleinen Oase leben mit Liebe und Geborgenheit und freundlich sein.

Das kann über all sein, solange es genau in diesem Augenblick ist. „Und was machst du jetzt, wenn du merkst, dass du dich verloren hast?“ Fragte mich vorgestern eine liebe Freundin. Ich antwortete ihr recht kurz und knapp: „Ich setze mich hin, atme und frage mich, was ich gerade für mich brauche und das mache ich Tag für Tag ohne Druck. So nah bin  ich mir selbst lang nicht mehr gewesen.“

 

 

Alina

Ich bin 30 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

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