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Familie

Selbst und ständig: Meine Erfahrungen der Selbständigkeit | Ist es jetzt vorbei?

Selbständig ist der, der frei und keiner Arbeitsorganisation angehört. Jemand der seine Arbeitszeiten frei einteilt, ohne Hilfe anderer über seine Arbeitsweise eigenständig entscheidet und für sich selbst arbeitet. Das fand ich zu Beginn auch wirklich sehr prickelnd mit Kindern. Ich dachte, dass ich auf diese Art und Weise zu arbeiten allen gerecht werde. Meinen Kindern, meiner Familie, meinem Partner und mir selbst. Das Schreiben zum Beruf machen, das war der Plan.

Meinen Mamablog gibt es bereits seit über 5 Jahren. Eine bunte Mischung aus Alltagsgedanken, Lieblingsstücken und Rezepten. Ich liebe es zu schreiben. Liebe es mich über Gedanken, die ich mir mache auszutauschen. Doch zunehmend schlich sich bei mir das Gefühl ein, dass ich nicht mehr ich selbst sein konnte. Ich hatte zu hohe Erwartungen an mich. Setze mich zunehmend mehr unter Druck einen Lifestyle zu leben, der mich stresst. Im Hintergrund sammelte sich die Arbeit. Obwohl solch ein Blog zwar nicht nach viel Arbeit aussieht, so ist er doch eine ständige Schnittstelle zwischen Partnern, Wunschkunden und meinem Steuerberater. Je höher die Einnahmen, desto höher der Verwaltungsapparat dahinter und die monatlichen Kosten.

Die letzten Wochen und Monate hatte ich so gut wie keine Freizeit mehr. Ständig plante oder checkte ich in den kurzen Minuten, die mir zwischen wichtigen Alltagsdingen blieb meine Mails, führte Telefonate und bearbeitete wichtige Blogposts. Meine Individualität, Kreativität und mein Herz blieben dabei auf der Strecke. Vieles viel mir ein, aber nicht mehr die Themen für die mein Herz zu Beginn der Gründung so sehr pochte. Ich wollte schon immer über Themen schreiben, die Menschen bewegen. Ich liebe es einfach andere zu inspirieren. Doch der Druck mit diesem Medium meine Familie zu ernähren wuchs mit jedem neuen Tag über mich hinaus. Und dabei blieben alle Unzufrieden. Mein Partner, weil ich keine Zeit mehr hatte. Meine Kinder, weil ich keine Zeit mehr hatte und ich selbst, weil ich keine Zeit mehr hatte für MEIN LEBEN.

Ich verlor meine Leichtigkeit. Freizeit. Dieses selbst und ständig bekam ein völlig neues Gesicht. Aktuell ist es so, dass ich Menschen, die mir ihre Network Marketing Philosophie von „Du kannst dir alles nach deiner Zeit einteilen“ am liebsten anschreien würde. Denn ja, so lange das Unternehmen anläuft ist es ganz nett. Man spürt, da ist Potential hängt sich rein und alles rollt an. Doch was ist, wenn man einfach nicht mehr kann? Wenn man krank wird? Die Arbeit liegen bleibt? Das kann mit guten Ersparnissen ein oder zwei Monate gut gehen, aber was ist dann? Was ist, wenn ich krank werde? Dann verdiene ich genau 0,00 Cent. Dieser Druck im Nacken ist jeden Tag aufs Neue da.

Ein Arbeitgeber? In meinen Augen ein Wunder. Rente, Krankenkasse und Weinhachtsgeld. Welch ein Luxus. Urlaub haben, was ein Leben. Dabei möchte ich gar nicht so gegen die Selbständigkeit wettern. Sie hat ihre Vorteile, wenn man es sich in seiner Familie leisten kann. Aber! Ein Arbeitgeber eben auch. Ich habe mich dazu entschieden zurück in meinen alten Beruf als Krankenschwester zu gehen als Teilzeitkraft. Was passiert dann mit meinem Blog? Den wird es natürlich weiterhin geben. Er ist mein drittes Baby. Mein Ein und Alles und genau deswegen habe ich diesen Entschluss gefasst, weil einzig und allein mein Herz entscheiden soll, um welche Themen es sich hier dreht und nicht die Angst um meine Existenz.

 

Schön, dass Du da bist!!! Das wollte ich jetzt auch einfach mal loswerden. Danke!

Ich bin 30 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

2 Comments

  • Anne

    Ich kann es voll und ganz nachvollziehen. Nur stürzte ich mich verstärkt in meinen Blog als ich einen 30-Stunden-Job hatte. Das zehrte ordentlich an den Nerven und war alles in allem nicht gut für mich aber auch nicht für den Blog. Es ging das Herzblut verloren und ich musste es einfach wieder zurückschrauben.
    Nun endlich schreibe ich endlich wieder über Themen aus unserem Alltag. Etwas, dass es vor einem Jahr kaum noch bei mir gab.
    Daher finde ich es gut, dass du für dich erkannt hast, dass du etwas ändern musst. Und auch, dass du nicht direkt beschließt deinen Blog zu schließen, sondern am Ball bleibst. Ich lese auch weiterhin gern bei dir rein.
    Fühl dich gedrückt und weiterhin viel Kraft für deine Ziele.

  • Alex

    Ich finde deine offenen Worte total gut. Die Belastung der Blogger bleibt hinter den Produktgeschenken zum Testen versteckt, wird falsch interpretiert. In meinen Augen geht es da sehr vielen (allen???) Berufsgruppen so. Neid ist überall… schön so offen zu lesen, es hilft hoffentlich Dir und vielleicht anderen.
    Ich finde es toll vom Alltag zu lesen, mit Blog, mit Beruf, mit Familie. Da spielt viel Freude und Herzblut mit in deinen Zeilen-weiter so!!

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