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Wie der Wald unsere Gesundheit beeinflusst

Im ersten Moment denkt man vielleicht, wenn man an den Wald denkt, wie langweilig. Dennoch sollten wir Menschen dem Thema im Wald sein viel mehr Raum schenken. Er ist kostenlos. Schenkt uns Raum für uns selbst und sogar Gesundheit. Frau Dr. Melanie H. Adamek widmet diesem Thema sogar ein ganzes Buch. Ihr geht es genau darum „die Verknüpfung von Wald und Gesundheit erlebbar machen.“ Obwohl sich dies vielleicht erst einmal nicht wirklich spannend anhört, denke ich, dass dieses Thema in der heutigen Zeit für uns alle eine enorm wichtige Rolle spielt. Daher bitte ich euch, dass ihr euch Zeit für dieses Interview nehmt und vielleicht zieht es euch sogar am Ende raus in den Wald. Das wäre wirklich schön.

 

 

1. Liebe Frau Dr. Adamek, bitte stellen Sie sich für meine Leser doch kurz vor.

Dr. Melanie H. Adamek: Sehr gern, liebe Alina. Ich bin promovierte Juristin, Verlegerin und Autorin. Nach meiner Tätigkeit als Justitiarin eines großen internationalen Fachinformationskonzerns wechselte ich in die Geschäftsleitung eines Verlags. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich 2001 einen eigenen Verlag gründete. Ich lebe mit meinem Partner und unseren drei Hunden Iggy, Gustav und Bubi in München und bin täglich im Wald.

 

2. Wie sind sie darauf gekommen ein ganzes Buch dem Thema Wald und Gesundheit zu widmen?

Dr. Melanie H. Adamek: Da sind viele berufliche und private Einflüsse zusammengekommen. Unser Verlag ist ja auf Gesundheitskommunikation und speziell auf die Produktion von Krankenkassenmagazinen spezialisiert. Da beschäftigt man sich natürlich sehr intensiv mit Fragen der Prävention, also der Gesunderhaltung. Psychostress und Zivilisationskrankheiten sind eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit und die gute Frage ist: Welche natürlichen Mittel geben uns Ruhe und Gelassenheit zurück, und das ohne erhobenen Zeigefinger oder Druck, mit Freude und mit Lust?

Den täglichen Waldspaziergang kenne ich vom Gassigehen. Der Wald ist durch meine Großeltern biografisch stark verankert. Das sogenannte Waldbaden habe ich vor einigen Jahren entdeckt. Allerdings eher „nebenbei“, über ein Versprechen, das ich am Heiligen Abend 2014 gab, und das mich in eine sehr waldreiche Region nach Kroatien führte. „2015 feiern wir Weihnachten in deinem frisch renovierten Geburtshaus in Fužine.“, gab ich meiner Mutter das Wort. Das Häuschen liegt mir sehr am Herzen, weil es mich an wunderschöne Ferienerlebnisse erinnert. Es trägt den Geist meiner Großeltern in sich, strahlt Harmonie, Wärme und Geborgenheit aus und ist von Wäldern umgeben. All das führte zu einer Reise, die mich statt der geplanten zwei Wochen mehrere Monate in eine andere Welt hineinkatapultierte.

Ohne Plan, aber mit einer klaren Vision machte ich mich an ein mühsames Werk. Weder konnte ich die Sprache richtig, noch kannte ich irgendjemand dort näher. Alles war neu und ganz anders als zuhause. Ein spannendes Abenteuer, gespickt mit großen Lebensthemen und Erkenntnissen. Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein? Was zählt, was nicht? Welchen Ballast kann ich abwerfen? Wo sollte ich vielleicht umdenken? Viele dieser Gedanken sind mir bei meinen „Waldpausen“ gekommen, die ich mir während der Sanierungsphase verordnet hatte. Den ganzen Tag Kies und Zement in den Betonmischer zu schaufeln, schreit nach frischer Luft. Nebenbei Abläufe in einer Sprache zu koordinieren, von der man vielleicht zwei, drei Sätze sicher beherrscht, verlangt nach Schweigen im Wald. Ein selbst gesetztes hohes Arbeitspensum ruft nach Gemächlichkeit. Der Wald wurde für mich zum essenziellen Ort, um meine Akkus wieder aufzuladen. Ich erinnerte mich an die vielen Waldausflüge mit meinem Großvater, der die Gabe hatte, mich den Wald mit seiner einzigartigen Atmosphäre und all seinen Lebewesen wahrnehmen und fühlen zu lassen und mich als Teil dieses Netzwerks zu begreifen. Ich ging also in den Wald, um dort zu sein und nicht um irgendetwas anderes zu tun.

 

3. Wer sollte das Buch „Im-Wald-Sein“ unbedingt lesen?

Dr. Melanie H. Adamek: Jeder, der sich privat oder beruflich für den Zusammenhang  zwischen Wald und Gesundheit interessiert und auf unterhaltsame, motivierende Art und Weise alles zu diesem spannenden Thema mit den neuesten Trends und Fakten erfahren möchte.

Das Besondere an dem Buch ist, dass es auf einem breit gefächerten Expertenwissen beruht mit vielen Erkenntnissen zum Zukunftsthema Waldbaden und Waldtherapie in Form von Interviews, Gesprächen und Beiträgen. Der Wald ist zauberhaft und magisch, es herrscht dort eine besondere Atmosphäre mit hohem Wohlfühlfaktor. Der Wald ist unsere Lebensgrundlage, ein Raum mit Gesundheitspotenzial. Empfehlenswert ist das Buch auch für all jene, die nicht nur die wesentlichen japanischen Studien kennenlernen möchten, die es über die Gesundheitswirkungen des Waldbadens gibt, sondern auch entdecken möchten, wie das Waldbaden in der Praxis wirkt, also beim „ganz normalen“ Menschen wie du und ich. 12 Leute von 12 bis 67 Jahren haben sich auf der Suche nach Entspannung und besseren Blutwerten zu einem Waldbaden-Experiment zusammengefunden, das sie mit einem abwechslungsreichen Programm für drei Tage in den Wald führte. Wir wollten in einem wissenschaftlich inspirierten und fachkundig begleiteten Praxistest selbst erfahren, ob sich die in japanischen Studien ermittelten Gesundheitseffekte auch bei uns „Normalos“ einstellen würden. Denn bei solchen Studien stellt sich einem ja sofort die Frage, „Schön und gut, aber gilt das auch für mich?“ Vor allem die immunologischen Effekte klangen zu gut, um wahr zu sein. Doch auch die psychologischen Effekte faszinierten uns. Wir zeichneten die japanischen Studien also in wesentlichen Aspekten nach und füllten sie mit Leben. Unser eigens entwickeltes Konzept ging auf. Die Effekte sind höchst erstaunlich.

 

4. Inzwischen gibt es bereits mehrere Bücher zum Thema „Waldbaden“. Sie haben ein komplettes Programm entwickelt, vom Buch, über einen Audioguide bis hin zu einem Erlebnistagebuch. Wie unterscheidet sich Ihr Buch von den anderen Büchern?

Dr. Melanie H. Adamek: Dazu könnte ich Ihnen jetzt das Vorwort von unserem führenden Naturmediziner Prof. Dr. Andreas Michalsen von der Charité Berlin zu meinem Buch vorlesen. Spaß beiseite, worum es mir geht: Ich möchte die Verknüpfung von Wald und Gesundheit erlebbar machen, ohne erhobenen Zeigefinger oder Druck, mit Respekt für die Persönlichkeit. Manche Menschen brauchen fundierte Hintergründe, um sich für Veränderungen im Leben zu öffnen (Buch), andere eine unkomplizierte Anleitung für unterwegs (Audioguide-Programm) und wieder andere haben das Bedürfnis, positive Veränderungen in ihrem Leben zu reflektieren und zu dokumentieren (Erlebnistagebuch). Manche freuen sich darüber hinaus auch über eine visuelle Motivation für den Alltag (Wandbilder). Unser Programm ist bei www.im-wald-sein.de erhältlich und entwickelt sich kontinuierlich weiter.

 

im wald sein gesundheit

 

5. Ich persönlich fand das Lesen des Buches sehr spannend, da ich ein Waldkind zu Hause habe. Allerdings bin ich immer hin und hergerissen, was nun besser ist für Kinder. Wie stehen Sie zu einem Waldkindergarten?

Dr. Melanie H. Adamek: Vor kurzem sprach ich auf Einladung des südkoreanischen Forstministeriums auf einem Symposium zur Grundsteinlegung eines neuen nationalen Forest-Healing-Center (Waldheilungszentrum) in Jeonju über „Wald und Gesundheit: Aktueller Stand, Diskussion und Initiativen in Deutschland“.  Dabei ging es natürlich auch um Waldkindergärten. Wir haben mehr als 1.500 Natur- und Waldkindergärten in Deutschland. Tendenz stark steigend. Nicht nur überdurchschnittliche Wartelisten belegen, dass was dran ist am neuen Trend. Im fünften Kapitel meines Buchs „Von A bis Z: Mehr Vitamin G(rün) bitte“ habe ich viele Studien zusammengetragen, die belegen, wie wichtig Naturkontakt für uns ist, vom Alter Null bis 120. Insbesondere Kinder und ältere Menschen profitieren vom Naturkontakt. Bei Kindern fördern Naturkontakte wichtige Fähigkeiten wie Problemlösungskompetenz oder Kreativität sowie soziale und intellektuelle Kompetenzen. Vergleiche von Kindern, die Kindergärten in städtischen Umgebungen besuchen, mit Waldkindergarten-Kindern zeigen, dass letztere eine höhere Aufmerksamkeitskapazität haben und höher entwickelte intellektuelle (kognitive) Fähigkeiten. Einfach gesagt ist die „unstrukturierte“ Natur viel spannender und anziehender und fordert Neugier und Kreativität heraus, während auf einem Spielplatz alle Spielgeräte und deren Bedienung schon vorgegeben sind. Freies Spielen in einer natürlichen Umgebung bietet Kindern mehr Möglichkeiten, sich selbst zu erfahren und sich unabhängig zu fühlen. Damit fördert es die Persönlichkeitsentwicklung. Wo es in erster Linie auf Kreativität und Erfindergeist ankommt, tritt Körperkraft als Überlegenheitsmerkmal in den Hintergrund. Deshalb ist Spielen in der Natur mit weniger Aggressionen verbunden und soziale Hierarchien verlieren an Bedeutung. Speziell zu ADHS wurden Belege gefunden, die die Bedeutung von Naturaufenthalten auch als therapeutisches Mittel bestätigen. Im schulischen Alltag sind Naturaufenthalte bedeutsam für Kreativität und Lernerfolg, zumal angesichts immer wichtiger werdender digitaler Lernhilfen. Als pädagogisches Konzept wird die Natur als Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche in Deutschland beispielsweise in der Waldorf-Pädagogik angewendet.

 

6. Sind Sie seit dem Schreiben des Buches mehr im Wald als vorher?

Dr. Melanie H. Adamek: Mehr nicht, aber wieder bewusster und mit unserem Im-Wald-Sein Audioguide, einem individuellen DIY-Waldbaden-Programm, mit dem man unkompliziert und genussvoll in den Wald eintauchen und die Gesundheitsvorteile des Waldbesuchs selbst erleben kann. Neulich war ich bei einem Gesundheits-Check-up und habe mit meinem Hausarzt über die Entwicklung meiner Werte gesprochen. Er meinte, alles sei überdurchschnittlich gut und vielleicht läge es ja tatsächlich am Im-Wald-Sein. Er hätte mein Buch inzwischen gelesen und bis auf S. 93 fände er es sehr gut. Sehr lustig! Dazu muss man wissen, dass das die Stelle ist, an der ich über die Abfuhr schreibe, die mir mein lieber Hausarzt Dr. A. hinsichtlich des Waldbaden-Experiments ursprünglich erteilte.

gesund leben

 

7. Haben Sie noch ein paar abschließende Anmerkungen, die sie gerne loswerden möchten?

Dr. Melanie H. Adamek: Ja, klar. Ich wünsche mir, dass das Thema Wald und Gesundheit nicht nur unter dem Aspekt „Waldbaden, exotischer Trend aus Japan“ gesehen wird, sondern als ganzheitlicher und nachhaltiger Baustein eines gesunden Lebens. Daher mein Tipp: Mindestens einmal im Monat raus dem Hamsterrad und rein in den Wald. Ganz entspannt im Hier und Jetzt sein, die Sinne auf eine eigene Erlebnisreise schicken und die wie eine natürliche Aromatherapie wirkende Waldluft genießen. Wie das gehen kann? In Japan habe ich beim Urvater der Waldmedizin und des Shinrin Yoku Prof. Dr. Qing Li eine Schulung in Forest Medicine absolviert und die wesentlichen Komponenten eines „Shinrin Yoku-Walk“ (Waldbaden-Spaziergang) kennengelernt. Auf dieser Grundlage habe ich einen Audioguide für das genussvolle und entspannte Im-Wald-Sein entwickelt, mit dem man gezielt Stress abbauen und sein Immunsystem stärken kann. Das Besondere an diesem Konzept ist, dass es in jedem Wald und ohne komplizierte Abläufe oder starre Vorgaben gelingt. Man kann allein oder in einer Gruppe den ganzen Tag im Wald verbringen oder nur eine halbe Stunde, man kann einfach in den Wald um die Ecke oder auf Waldentdeckungsreise gehen und es ist egal, wie alt man ist, ob gut zu Fuß oder nicht. Außerdem kann man das Programm in sein eigenes Freizeitprogramm integrieren oder das Waldbaden als komplett neue gesundheitsfördernde Aktivität für sich entdecken. In unserem Im-Wald-sein Audioguide begleitet Achtsamkeits- und Entspannungstrainerin Anja Römer den Waldbesucher mit ihrer angenehmen Stimme und bietet viele Anregungen, um den Wald und sich selbst neu zu entdecken. Und der Wald sorgt dafür, dass man es jedes Mal anders erlebt. Wenn man das Erlebte in seinem Im-Wald-Sein-Erlebnistagebuch konserviert, kann man die positiven Gesundheitseffekte noch verstärken.

Ich danke ihnen von Herzen für ihre kostbare Zeit! Danke Ihnen!
Alina Stiehm

Ich bin 30 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

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