Ich stehe vor meinem Spiegel, während ich skeptisch hoch und runter schaue. Das was ich vor mir sehe ekelt mich großenteils an. Es nervt mich, dass sich mein Körper nach meinen zwei Schwangerschaften so verändert hat. Auf der anderen Seite liebe ich diesen Körper noch viel mehr als vorher, denn er war dazu bereit mir mein größtes Glück auf Erden zu schenken. Ein verwirrendes Gefühl so hin und her gerissen zu sein zwischen Selbstliebe und Selbsthass. Welches Gefühl überwiegt? Das ist wohl aktuell die große Frage. Im Grunde jedoch lässt mich dieser Konflikt seit meiner frühen Kindheit nicht los.

Schon als ich ganz klein gewesen bin, hatte ich große Probleme mit meinem Gewicht. Die Streitereien meiner Eltern löste ich für mich in dem ich ausreichend Süßigkeiten aß. Das Essen stillte mein Bedürfnis nach Familienfrieden. Es dauerte natürlich nicht lange bis sich meine Essgewohnheiten auf mein Gewicht niederschlugen. So hatte ich bereits in meiner Grundschulzeit Gewichtsprobleme, die ich deutlich spürte. Zum Beispiel trug ich ausschließlich Leggings, weil diese am Bauch nicht so zwickten. Ich fühlte mich bereits im Alter von sieben Jahren nicht wohl in meiner Haut. Teils weil die Gesellschaft auf mein pummeliges Äußeres reagierte. So fragte zum Beispiel eine Oma beim Familienessen meine Mutter, wann diese denn mal mit mir abnehmen wollen würde oder einer der Standartsprüche in frühster Kindheit: „Na, du hast aber auch wieder ordentlich zugelegt.“

 

Mit meinem Körper stimmt etwas nicht

Für mich waren diese Sprüche als Kind verstörend. Ich konnte sie weder einordnen, noch wusste ich wirklich, was mit mir nicht stimmt. Diese Sprüche suggerierten mir aber ein Gefühl sehr deutlich, dass mit mir bzw. meinem Körper etwas nicht in Ordnung sei. Das Bild zu ihm wurde über die Jahre immer gestörter. Schaue ich mir heute alte Bilder aus meiner Jugend an, sehe ich eine junge Frau, die vollkommen Normalgewichtig ist. Was ich zu dieser Zeit gedacht habe, mag ich bei diesem Anblick schon gar nicht mehr wiedergeben.

Seit ich meinen Mamablog habe zieht sich diese Thema Liebe und Hass gegenüber meinem Körper wie ein roter Faden durch. Mal so. Mal wieder anders. Woran mag das legen? Da bin ich gerade dabei es herauszufinden und denke, dass ich auf eine Antwort gestoßen bin, die ich gerne mit euch teilen möchte. Ich möchte mit euch meine Erfahrung zu Selbstliebe und Selbsthass ausführlich darlegen und gerne näher erläutern, was uns Menschen dabei helfen kann diesen Selbsthass aufzulösen. Selbstliebe wird von uns – in unserer Gesellschaft zwar oft als Egoismus fehlinterpretiert, ich denke nämlich, dass es sehr gesund ist ein gewissen Maß an gesunder Selbstliebe zu besitzen. Nur wie? Das ist die große Frage, die häufig sehr präsent ist.

Wie lerne ich Selbstliebe?

 Im Grunde müssen wir erst einmal begreifen lernen, WIE wir wirklich zu uns und unserem Körper stehen.

Liebe ich mich selbst?

ÜBUNG:

Stelle dich dafür vor einen Spiegel und sage dir/deinem Spiegel laut, dass du es liebst, dass du dankbar für dich bist, dass du schön bist.

„Ich liebe dich.“
„Danke, dass es DICH gibt.“
„Du bist wertvoll.“
„Du bist gut genug.“

Schaue, was all diese Sätze mit dir machen und welches Gefühl sich in dir ausbreitet. Für mich waren diese Sätze zu Beginn meiner neuen Lebenseinstellung zu mir selbst sehr neu und teils auch bewegend. Ich habe mich an manchen Tagen fast schuldig gefühlt, wobei ich später eher das Gefühl Traurigkeit herausfiltern konnte.

Aktuell stelle ich mich häufig vor meinen Spiegel und singe mir das Lied „das Heiligste der Welt“ von Berge selbst vor. Häufig rührt es mich zu Tränen. Nicht weil ich gerade traurig bin, sondern vielmehr dankbar darüber, dass ich endlich begriffen habe, wie wertvoll ich selbst für mich bin.

Bist du diesen Schritt gegangen? Danach war ich bereit dazu meine Schwächen mir gegenüber einzugestehen und daran zu arbeiten. Sprich mein Übergewicht, das aus meinem Lebensstil heraus resultiert. Ich habe angefangen mein Leben unter die Lupe zu nehmen. Meinen Tagesablauf immerzu aufgeschrieben, um herauszufinden, was mir persönlich fehlt. Dabei wurde mir schnell bewusst, dass ich eigentlich nur abarbeite und für die Kinder versuche eine gute Mama zu sein. Was dank des ganzen Stresses in meinem Alltag auch nur so mittelmäßig gut funktionierte. Unterm Strich wurde ich keinem gerecht. Weder mir noch meiner Familie, meinen Kindern oder meinem Mann.

Wird es uns gelingen alle glücklich zu machen?

Dabei wünschte ich mir nichts sehnlicher als alle glücklich zu machen. Aber schaffen wir das? Sollte das unser Ziel im Leben sein? Heute denke ich ganz klar NEIN. Dort hingekommen bin ich indem ich damit begonnen habe die oberste Priorität in meinem Leben zu spielen. Ich nehme mich selbst am wichtigsten. Schaue viel mehr darauf, was ich eigentlich selbst gerade brauche. Dadurch, dass meine inneren Bedürfnisse und Sehnsüchte immer mehr befriedigt werden, bin ich viel ausgeglichener. Ich lerne jeden Tag etwas Neues und schaffe es endlich die Mutter zu sein, die ich so gerne für meine Kinder wäre.

Ich bin viel ruhiger. Mehr bei mir. Ich habe eine gesunde Strenge, die ich persönlich vertreten kann, weil es um Sicherheit und ihre Gesundheit geht, um meine Werte und Moralvorstellungen, die ich gerne weitertragen möchte. Dieser Weg fühlt sich leicht an. Gut. Lebbar. Zeit für mich habe ich in den Momenten meines Alltages gefunden in denen ich früher nichts getan habe. Wie kann das sein? Immerhin hattest du doch nie Zeit, fragt sich der ein oder andere vielleicht nun. Aber ja, Zeit habe ich jetzt indem ich zwei Stunden vor den Kindern aufstehe und kein Fernsehen mehr schaue. Dank dieser Umstrukturierung verbringe ich meinen Morgen mit Meditation, Kaffee trinken und Yoga. Abends lese ich. Wobei meine Abendroutine sich noch mit Sport und einem Hobby füllen soll auf Dauer. Dank meiner neuen Tätigkeiten merke ich Tag für Tag ein wenig mehr, dass ich viel aktiver am Leben teilnehme. Dass ich wieder Wünsche und Sehnsüchte entwickeln, die sich positiv auf meine Selbstliebe auswirken.

 

Das ist erst der Anfang

Ich weiß, dass dies erst der Anfang ist. Es gibt viele Übungen, die mir über den Tag dabei helfen mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Aber dies ist wieder ein neues Thema, das ich euch gerne etwas später vorstelle. Vielleicht hast du jetzt erstmal Lust dazu zu überprüfen, wie es mit deiner Selbstliebe steht und ob du für dich aktuell etwas verändern kannst, damit dir dein Leben leichter vorkommt? Oder ist es bereits alles leicht und easy? Das wünsche ich uns allen von ganzem Herzen.

 

In diesem Sinne, habt es fein!
Eure Alina

 

Alina

Ich bin 30 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

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