Betreuung über oder unter 3 Jahren? Meine Erfahrungen und Empfindungen zu diesem Thema

Betreuung unter drei ja oder neBetreuung unter 3? Meine Erfahrungen und wieso ich so denke, wie ich denke?

Es sind Ferien. Der Große ist zu Hause, die Kleine eigentlich noch nicht, aber mein schlechtes Gewissen gegenüber der Kleinen verhindert, dass ich sie regelmäßig zu ihrer Tagesmutter bringe. Es fühlt sich falsch an, etwas schönes mit dem Großen zu unternehmen, an dem die Kleine ganz sicher auch ihre Freude hätte.

Aber darum soll es gerade gar nicht gehen. Es geht viel mehr, um all die Erinnerungen, die in mir hochkommen, wenn wir lange schlafen. In den Tag hinein Leben. Ich arbeiten muss, während die Kinder ihren Dingen nach gehen.

Betreuung unter 3?

Vor drei Jahren stand ich zum ersten Mal vor der Entscheidung, wann ich mein Kind in eine Betreuung geben soll. Mir persönlich ist von Anfang an klar gewesen, dass ich es nicht vor drei Jahren machen möchte. Ich sah meinen kleinen Knirps und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie er mit anderen zurechtkommen sollte. Mein Kriterium für die Hereingabe in eine Betreuung ist immer gewesen, dass mein Kind sprechen können muss. Er muss in der Lage sein, seine Bedürfnisse und Wünsche selbständig ausdrücken zu können.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach meiner Elternzeit

Nach einem Jahr Elternezeit begann ich wieder zu arbeiten. Mit der Hilfe von Oma und Opa bekamen wir meine Dienste abgedeckt, aber so recht wollte das nicht klappen. Es gab zwei Tage, an denen ich arbeiten konnte. Irgendwie stand ich jedoch jeden Monat erneut vor der Herausforderung andere Tage planen zu müssen. Mein Dienstplan klappte nie und das stresste mich. All die Verhandlungen mit meiner Stationsleitung, all die Absprachen, das angewiesen sein auf andere. Mensch, was zermürbte mich diese Zeit.

Job plus 450 Euro Job

Der Kleine wurde größer. Bekam immer mehr Freude daran mit anderen in Kontakt zu treten. Ich wurde ihm nicht mehr gerecht. Also? Begab ich mich doch auf die Suche nach einem Kitaplatz. Nichts gab es für ihn. Wir suchten und suchten und bekamen nur Absagen. Parallel reduzierte ich meinen Job im Krankenhaus auf Wochenenddienste, suchte mir einen 450 Euro Job bei dem ich in der Woche flexibler arbeiten konnte. So gelang mir der Spagat zwischen Beruf und Familie. Führte aber am Ende zu enormen Stressreaktionen und dazu, dass ich eine riesen große kahle Stelle auf meinem Kopf bekam. Die Großeltern zogen sich zurück, denn wir kamen klar. Bei meinem 450 Euro Job konnte ich arbeiten, wenn Patrick zu Hause war, also? Brauchten wir keine Hilfe mehr. Augenscheinlich.

Die vergebliche Suche nach einem Kitaplatz

Ich suchte vergeblich nach einer Betreuung für meinen Sohn. Ich zerbrach an dem Spagat zwischen Beruf und meinem Kind. So viel Arbeit. So wenig Geld und nie hatten man das Gefühl dem eigenen Kind dazwischen noch gerecht zu werden. Ich sehnte mich nach Kameraden für ihn. Nach Menschen, die sich ihm zuwenden konnten, während ich nur noch dabei war alles zu organisieren.

Am Ende entschieden wir uns für eine Spielgruppe. Ich wurde wieder schwanger und es kam Ruhe in unser Leben rein. Dank meiner zweiten Schwangerschaft eine akzeptable Lösung, denn die Nachtdienste fielen weg. Man nahm mehr Rücksicht auf mich. Ich beendete meinen 450 Euro Job und legte den Fokus vermehrt auf meinen Blog.

Wir schaffen uns unsere eigene Vereinbarkeit

Alles wurde entspannter. Zum Glück! Meine Haare waren bis dato beinah komplett weg. Durch meine zweite Schwangerschaft entspannte ich mich. Es ging mit jedem Tag etwas besser. Meine Haare kamen zurück.

Doch die Erfahrungen. Erinnerungen an diese Zeit sitzen tief. Sobald ich höre, dass mein Kind zu Hause bleibt, muss ich erst einmal schlucken. Ich freue mich drauf. Tierisch! Gleichzeitig ist da dieses tief sitzende zermürbende Gefühl an diese Zeit.

Zweites Kind neue Betreuungsform

Wie tief all das sitzt, habe ich bei meiner kleinen Maus gemerkt. Bei ihr habe ich nicht lange überlegt, ob Betreuung unter drei ja oder nein. Ich habe schon kurz nach der Geburt für sie einen Betreuungsplatz mit 25 Stunden pro Woche gesucht. Allerdings immer mit großen Bauchschmerzen verbunden.

So ganz wohl habe ich mich dabei nie gefühlt. An meiner Einstellung, die Kinder sollen sprechen können, bis sie zu Fremden kommen, hat sich nichts geändert. Am Ende entschieden wir uns nach sehr viel Hin und Her für einen Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter, die recht weit weg wohnt, dafür aber unsere Ansätze verfolgt, ein eigenes liebevolles Familienleben führt und immer da ist. Unsere Maus geht nicht die ganze Woche und meistens immer nur ein paar Stunden. So wie es eben mit meiner Arbeit vereinbar ist. Manchmal bleibt sie zu Hause. Ich schaue, wie es ihr geht, ABER für mich ist es eine Wohltat, dass endlich jemand da ist, mit dem ich planen kann, ohne dabei auf meine Familie Rücksicht nehmen zu müssen oder enttäuscht zu sein.

Unser lebbarer Kompromiss, mit dem es allen gut geht!

Am Ende muss jede Familie schauen, wie es für sie passt. Noch vor meinem ersten Kind stand ich rigoros vor der Annahme niemals eine Betreuung unter 3 zu befürworten. Heute denke ich, es muss zum Familienleben passen. Was nützt es, wenn alle Beteiligten daran kaputt gehen. Damit ist dem Kind am wenigsten geholfen, oder?

 

Alina

Ich bin 29 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

2 Comments
  1. Für mich bzw. uns stand schon früh fest, dass unser Kind vor 3 in eine Betreuung kommen wird – einfach, weil es nicht anders gehen würde. Aber irgendwie hatte auch ich dabei Bauchschmerzen so ein kleines Menschlein abzugeben und die Gedanken kreisten, ob sie nicht doch besser Zuhause aufgehoben wäre. Wir haben dann damit angefangen, dass sie an zwei Vormittagen zu meinen Eltern gekommen ist. So hat sie eine zusätzliche Anlaufstelle, auch wenn mal irgendwas passieren sollte. Zusätzlich zeigte sich, dass sie immer mehr Kontakt zu anderen Kindern suchte und förmlich ausflippte sobald sie welche hörte. Im Frühjahr bekamen wir überraschenderweise eine Kitaplatz und ich kann sagen, dass es die beste Entscheidung war. Unser Fräulein ist so happy da, lernt so viel und hat so eine schöne Zeit und da ich merke, wie gut es ihr tut, bin auch ich damit glücklich.

    Ich denke aber, dass muss jede Familie entscheiden und man muss sich wohl auch die Kinder ansehen. Unsere Maus braucht die Action…

  2. Für uns klappte das zum Glück ganz gut. Ich hatte die Möglichkeit Teilzeit während Elternzeit zu machen. Der Arbeitgeber ließ sich zum Glück auf 2 Tage ein. Diese beiden Tage konnte ich mit den Großeltern überbrücken, die glücklicherweise alle in der Nähe wohnen. Das ist Luxus.
    Ich konnte die Krippe also überspringen und sie kamen dann mit 3 in den Kindergarten. Bei uns hat es geklappt. Und ich bin da auch sehr froh drüber. Aber ich verurteile niemanden, der das so nicht machen kann. Jeder muss sehen, welches Modell am besten funktioniert. Es sind so viele Umstände, die berücksichtigt werden müssen. Und ganz wichtig dabei ist einfach, dass es einem selbst als Elternteil gut damit geht. Das hat meine Hebamme schon immer zu mir gesagt. Es bringt dem Kind nichts, wenn es der Mama schlecht geht.
    Schön, dass ihr euren Weg gefunden habt!
    LG, Tina
    P.S.: Ich habe mir übrigens manchmal bewusst nur Zeit für den Großen genommen, weil die Kleine recht fordernd war/ist. Er kam da ab und an zu kurz – wenigstens kam es mir so vor – und so habe ich sie manchmal länger im Kindergarten gelassen und habe noch etwas mit ihm alleine gemacht.

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